Meine Haltung
Andreas Reimann Photography
Ich habe eine Diktatur erlebt. Ich weiß, wie es ist, wenn man nicht frei sagen kann, was man denkt. Wenn man aufpassen muss, mit wem man spricht. Wenn der Staat entscheidet, was richtig ist. Ich hatte Glück, anderen erging es schlechter. Diese Erfahrung prägt meine Werte bis heute.
Freiheit und Demokratie sind für mich deshalb nichts Abstraktes. Sie sind das Wertvollste, was wir haben. Und sie sind nicht selbstverständlich. Ich wünsche mir, dass meine Kinder und Enkel in genau dieser Freiheit leben dürfen.
Wofür ich stehe
Freiheit
Ich bin dankbar, in einem freien Land zu leben, in dem jeder seine Meinung sagen, lieben und arbeiten kann, wie er möchte.
Respekt
Bei mir ist jeder willkommen, egal woher du kommst, wen du liebst, woran du glaubst oder wie du aussiehst.
Ehrlichkeit
Ein Wort ist ein Wort. Ich sage, was ich denke, und halte, was ich verspreche. Ehrlichkeit alter Schule schätze ich sehr.
Warum ich nicht schweige
„Ich spüre, dass diese Demokratie in Gefahr ist.“
Hape Kerkeling, Anhörung zu einem AfD-Verbotsverfahren im Thüringer Landtag, 30. September 2026
Seine Courage und seine Klarheit haben mich berührt. Er spricht aus, was ich selbst denke.
1990 bin ich selbst auf die Straße gegangen und habe Flugblätter gedruckt, damit diese Diktatur zu Ende geht. Das war nicht ohne Risiko. Und ich hätte nie gedacht, dass es einmal wieder so viele Menschen geben würde, die autoritäre Verhältnisse für eine Option halten oder sie zumindest in Kauf nehmen. Nicht in einer bestimmten Region, sondern überall in diesem Land und weit darüber hinaus.
Ich halte die AfD für eine Gefahr für genau die Werte, die mir wichtig sind. Eine Partei, die Menschen nach Herkunft sortiert, die Würde Einzelner infrage stellt und die NS-Vergangenheit verharmlost, steht im Widerspruch zu allem, wofür ich als Mensch und als Fotograf stehe. Wer eine Diktatur erlebt hat, entwickelt ein feines Gespür dafür, wann jemand versucht, ihn zu manipulieren. Dieses Gefühl habe ich heute oft, bei dieser Partei, aber genauso in sozialen Medien, wo mit Halbwahrheiten, Empörung und gezielter Stimmungsmache gearbeitet wird.
Ich weiß, dass das eine klare Ansage ist. Aber Neutralität fühlt sich für mich falsch an, wenn es um Freiheit und Demokratie geht. Manchmal braucht es einfach Mut: Haltung zeigen und machen, statt sich hinter Bedenken zu verstecken.
Mir geht es dabei um eine Partei und ihre Ideen, nicht darum, Menschen pauschal zu verurteilen. Ich mag respektvolle Diskussionen, auch mit Menschen, die anders denken.
Was ich erwarte
Die Verantwortung für unsere Demokratie liegt nicht nur bei denen, die sie angreifen. Sie liegt genauso bei denen, die sie tragen sollen.
Ich erwarte mehr denn je von den demokratischen Parteien der Mitte, dass sie einen Weg finden, über Parteigrenzen hinweg zusammenzuarbeiten. Nicht trotz ihrer Unterschiede, sondern mit ihnen. Unterschiedliche Meinungen gehören zur Demokratie. Aber sie dürfen nicht dazu führen, dass sich die Mitte selbst spaltet, während andere davon profitieren.
Ich erwarte Politik für Menschen. Lösungen statt Schuldzuweisungen. Weniger Ego, weniger Parteitaktik, weniger Profilierung auf Kosten der anderen. Ich erwarte einen klaren Plan, der ehrlich erklärt wird, auch wenn er unbequem ist. Der dann konsequent umgesetzt und nur bei Bedarf nachjustiert wird. Und von den Medien erwarte ich Einordnung statt Empörung und Sorgfalt statt Schlagzeilen. Denn es geht nicht um die nächste Wahl oder die höchste Quote. Es geht um unsere Zukunft.
Viele Menschen wenden sich nicht von der Demokratie ab, weil sie extreme Ideen teilen. Sondern weil sie das Gefühl haben, dass sich niemand mehr um ihre Probleme kümmert. Das ist die eigentliche Aufgabe der Politik: zuhören, liefern und zeigen, dass Demokratie funktioniert. Aber auch von jedem Einzelnen erwarte ich, ehrlich zu prüfen, was Politik leisten kann. Demokratie ist kein Wunschkonzert.
Das gilt für alle. Auch für mich.
Haltung beginnt im Kleinen
Politik allein kann unsere Demokratie nicht schützen. Das ist eine Aufgabe für uns alle. Demokratie wird selten mit einem großen Knall beschädigt. Sie bröckelt leise. Mit Institutionen, die immer wieder schlechtgeredet werden. Mit Regeln, die man als „die da oben“ abtut. Mit Strukturen, die Stück für Stück infrage gestellt oder gezielt geschwächt werden, bis man sich irgendwann daran gewöhnt hat.
Und es beginnt mit Sprache. Mit Begriffen, die plötzlich salonfähig werden. Mit Sätzen, die vor ein paar Jahren noch undenkbar waren und heute am Küchentisch fallen, als wäre nichts dabei. Ein Tabubruch, dann noch einer, bis sie normal wirken. So verschieben sich Grenzen, ohne dass es jemand bemerkt.
Deshalb ist Haltung dort am wichtigsten, wo es am schwersten ist: in der eigenen Familie, im Freundeskreis, im Verein, bei der Arbeit, in der Nachbarschaft. Nicht auf großen Bühnen, sondern im Alltag. Wenn jemand einen Witz macht, über den man nicht lachen will. Wenn ein Begriff fällt, der nicht in Ordnung ist. Wenn einfach alle schweigen.
Haltung zeigen heißt nicht, laut zu werden oder andere zu belehren. Es heißt, freundlich, aber klar zu sagen: „Das sehe ich anders.“ Nachzufragen. Nicht mitzumachen. Und sich nicht anstecken zu lassen.
Das kann jeder. Und es wirkt mehr, als man denkt.
Darauf kannst du dich verlassen
Bei mir darfst du so sein, wie du bist. Ich begegne dir mit Respekt und bin ehrlich zu dir. Und du bekommst von mir immer ein Stück mehr, als du erwartest.
